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Ettenheim: Das Quartett ist wichtiger als der einzelne Musiker - badische-zeitung.de
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10. März 2010

Das Quartett ist wichtiger als der einzelne Musiker

Das weltberühmte Raschèr Saxophon Quartett gastiert am 21. März in Ettenheim / Den Klang der Musik gemeinsam entdecken.

  1. Elliot Riley gab gestern eine kleine Kostprobe im Bürgersaal. Foto: Decoux.Kone

ETTENHEIM. Wenn ein international gefeiertes Spitzenensemble wie das "Raschèr Saxophon Quartet" ins Städtchen kommt, dann hält die weite Welt Einzug in Ettenheim. Gestern noch in New York, morgen in Berlin oder Amsterdam und zwischendurch ein Stopp in der Rohanstadt. Die Musikfreunde Ettenheim dürfen einmal mehr stolz darauf sein, ein renommiertes Ensemble verpflichtet zu haben. Das Quartett wird am 21. März im Foyer des Städtischen Gymnasiums ein Konzert geben.

Große Künstler zu Gast in der Provinz, das hat bei den Musikfreunden immer auch etwas Familiäres. Im Vorfeld der Konzerte trifft man sich traditionell im Bürgersaal zum Kennenlernen und zum Gespräch mit Musikern und der Presse. Gestern hat Elliot Riley auf einen Kaffee vorbeigeschaut. Der 31-jährige US-Amerikaner spielt Alt-Saxophon im Quartett und lebt in Freiburg. Dort hat das Raschèr-Quartett gewissermaßen seinen Sitz.

Riley war zum ersten Mal in Ettenheim und traf doch auf vertraute Menschen. Erika und Helmut Salomon sind schon seit einiger Zeit mit Riley bekannt. Die Salomons leben in Wiesbaden und haben Wurzeln und einen Zweitwohnsitz in Ettenheim. Am Rande eines Konzerts in Wiesbaden war der Kontakt zu Riley und dem Ensemble zustande gekommen. Vor wenigen Wochen traf man sich in New York; die Salomons waren auf Urlaubsreise, Elliot Riley mit dem Ensemble auf Konzertreise. "Das Quartett gab in New York ein wunderbares Konzert. Es war ein Projekt mit einem Chor", schwärmte Erika Salomon.

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Projekt war auch eines der Stichworte, das diese Begegnung im Bürgersaal begleitete. Das Raschèr Quartett ist kein Ensemble wie jedes andere. "Die Tradition dieses Projektes, dieses Ensembles, ist bedeutender und wichtiger als jedes einzelne Mitglied", erklärt Elliot Riley, der sich seit neun Jahren zum Quartett zählen darf. Und die Betonung liegt beim Amerikaner auf "darf". Denn die Aufnahme in das Quartett gleicht eher einer Berufung und ist nicht Ergebnis einer Bewerbung.

Deshalb erinnert sich Elliot Riley noch sehr genau an jenen 4. Dezember 1999 als ihn der Ruf ereilte. Damals – wie übrigens auch noch heute – war Bruce Weinberger (59, Tenorsaxophon) Chef des Ensembles. Weinberger zählt noch zur Erstbesetzung des Quartetts, das vom deutschen Saxophinisten Sigurd Raschèr, der im Jahr 1933 in die USA emigriert war, 1969 gegründet wurde und sich seither ausschließlich dem klassischen Saxophonspiel verschrieben hat. Riley übernahm im Quartett den Part keiner geringeren als Carina Raschèr, der Tochter des Gründers und Namensgebers. Kein anderes Ensemble hat das klassische Saxophonspiel so beeinflusst wie das Raschèr Quartett. Zeitgenössische Komponisten haben nahezu 300 Werke eigens für dieses Quartett geschrieben, dessen Besetzung der eines Staffellaufs gleicht. "Der Staffelstab wurde immer weiter gegeben, so dass das Quartett über die 40 Jahre seines Bestehens in unterschiedlichen Besetzungen gespielt hat. Für alle galt aber immer: Das Projekt ist wichtiger als der einzelne Musiker", betonte Riley immer wieder und es liegt dabei so etwas wie Ehrfurcht in seiner Stimme.

Deshalb komme der Ortswechsel von der Carnegie Hall in Manhatten oder der Philharmonie in Berlin in das Foyer im Ettenheimer Gymnasium auch keinem Abstieg von den Höhen großer Konzertsäle in die Niederungen der Provinz gleich. "Unser Ziel ist es jedes Mal, den Klang der Musik gemeinsam zu entdecken", sagt Riley und erzählt von tollen Konzerten vor 30 Leuten in Heidelberg, von Auftritten bei Feuerwehrpartys in New York oder in Behindertenheimen. "Auf die Begeisterung im Publikum kommt es uns an, nicht auf den Konzertsaal", sagte Riley und es klang nicht wie eine Schmeichelei.

Raschèr Saxophon Quartet, Sonntag, 21. März, 20 Uhr, Foyer städtisches Gymnasium: Christine Rall, Elliot Riley, Bruce Weinberger, Kenneth Coon spielen Werke von Bach, Mozart, Lukas und Glasunow.
 

Autor: Klaus Fischer



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